Von Minolta zu Sony

Übersicht


In den frühen Neunzigern begann ich mit einer Nikon F-301 zu fotografieren. Das war noch eine manuelle Spiegelreflexkamera, allerdings schon mit elektrischem Filmtransport. Der Autofokus hielt auf breiter Front Einzug und auch ich kam zu dem Schluss, dass eine Autofokus-Kamera ins Haus muss. Eine Fotozeitschrift (vermutlich das FotoMagazin) brachte in einem Sonderheft eine Marktübersicht aller verfügbaren Autofokus-Kameras nebst Objektiven und  Zubehör. Nach intensivem Studium erschien mir Minolta als der Hersteller mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis.

Irrweg technikverliebter Ingenieure

Kurz darauf legte eine Minolta Dynax 7xi mit zwei Objektiven den Grundstock für meine heutige Ausrüstung.

 

In der Minolta-Terminologie bilden die 7er-Kameras das Segment für ambitionierte Amateure. Was vielleicht nach Mittelmaß klingen mag, war in der Realität aber bei Minolta immer Technologie im obersten Leistungsbereich. Sehr oft hat Minolta Spitzentechnologie in Kameras der 7er Reihe eingebaut, die später mit etwas Erfahrung und ein wenig mehr an Leistung in den Profikameras des 9er Segments in ausgereifter Version zum Einsatz kam.

 

Nach den Leistungsdaten dieser Kamera zu schließen, ist ihre Ansiedlung im 7er Segment sicher richtig. Doch das Bedienkonzept will hier nicht so recht hingehören. Schaut man sich das Kameragehäuse der 7xi an, so fällt auf, dass hier nahezu keine Einstellknöpfe vorhanden sind. Hier schossen die Minolta-Ingenieure deutlich über das Ziel hinaus und stopften die Kamera mit Elektronik voll, die dem Fotografen viel Einstellarbeit abnehmen sollte. Diese 'Fuzzy Logic', wie das im Marketing genannt wurde, analysierte das Sucherbild und gab dem Fotografen Einstellungen zur Belichtung und bei xi-Zoomobjektiven auch Brennweiteneinstellungen vor. Was dem Fotografen das Leben leichter machen sollte erwies sich dann als Schuss nach hinten und endete in einem zähen Kampf gegen die Technik. So ließ sich z. B. die Brennweite der xi-Objektive nur motorisch verstellen, was alles andere als bequem war. So entschloss ich mich bald wieder zum Verkauf.

Usability - Oder: Der mündige Fotograf

Mit der Dynax 700 si gab Minolta den Fotografen wieder vollen Zugriff auf die Kamera ohne sie zu bevormunden. Die Kamera ließ fast keine Wünsche offen. Sonderfunktionen, wie z.B. Mehrfachbelichtung oder Reihenaufnahmen standen nur - quasi als Plugin - mit als Zubehör erhältlichen Funktionskarten zur Verfügung. Mit dem Hochformatgriff VC-700 konnte ich die Kamera mit meinen nicht zu kleinen Patschehändchen erstmals auch bei Hochformataufnahmen sehr sicher und bequem halten. Seit dieser Zeit will ich auf einen Hochformatgriff nicht wieder verzichten.

 

Eigentlich war ich mit der 700 si und den Zusatzfunktionen sehr zufrieden. Aber bald erschien mit der Dynax 800 si ein Nachfolgemodell, das zwar in den Leistungsdaten nahezu gleich war, doch nun war damit die Zeit der Zusatzkarten passé. Und weil die Kameras nahezu baugleich waren, passte auch der Hochformatgriff VC-700. Im Grunde hatten sich die Marketingleute bei Minolta vertan, denn mit der 800 si wurde kein neues Segment geschaffen, was man vermuten könnte, und als Bezeichung wäre z. B. 750 si passender gewesen (heute würde sie vielleicht 700 si Mark II). Sei's drum, die 800 si war eine klasse Kamera, mit der ich sehr gerne fotografiert habe. Zugegeben, richtig 'geliebt' habe ich die 800er aber nicht. So ganz genau begründen kann ich es nicht, vielleicht lag's am etwas bulligeren Aussehen, vielleicht auch an den faktisch nur marginalen Veränderungen gegenüber der 700 si.

Analoger Höhepunkt

Zur Jahrtausendwende kam die Dynax 7. Minolta machte ein großes Bohei zur Einführung, versprach damit aber nicht zu viel. Bei der 7 passte alles. Das Design war top, die Kamera lag in der Hand wie reingegossen, alle Knöpfe waren an den richtigen Stellen. Der Autofokus war gut und schnell.

 

Schon zwei Jahre zuvor war im Profisegment die Dynax 9 erschienen und löste dort die betagte Dynax 9xi ab (eine 900 si gab es nicht). Sie gilt bei einigen Fotografen als beste Minolta-Kamera.

 

Für mich aber war die Dynax 7 die beste Kamera, die Minolta je gebaut hat.

Der Start ins digitale Zeitalter

Die Jahrtausendwende steht aber auch für den Umbruch, in dem sich die Fotobranche befand, und einige Hersteller taten sich auf dem Weg ins digitale Zeitalter recht schwer. Minolta beschritt mit den Dimage-Kameras zunächst einen Nebenweg. Zu der Zeit schloss sich Minolta aus wirtschaftlichen Gründen mit Konica zusammen.

 

Meine Dimage A2 aus 2004 trug dann auch das Label Konica-Minolta. Diese Bridge-Kamera hatte ein fest eigebautes Zoom-Objektiv mit einem Brennweitenbereich von 28 - 200 mm (Kleinbildäquivalent). Allerdings hatte sie noch einen vergleichsweise kleinen Sensor, der aber immerhin 8,3 Megapixel auflöste und dem das Rauschen schwer zu schaffen machte. Die maximal möglichen 800 ISO waren nach meinem Verständnis faktisch nicht zu gebrauchen. Das Bedienkonzept war sicher auch dem 7er Segment zuzurechnen, das Handling war recht gut und für die ersten Schritte in der digitalen Welt mochte ich die Kamera.

 

'Richtige' Bilder machte ich aber immer noch auf Diafilm mit der geliebten Dynax 7!

 

Nach langem Warten brachte Konica-Minolta im Herbst 2004 doch endlich eine digitale Spiegelreflexkamera auf den Markt: die Dynax 7d. Im Rahmen einer Testaktion konnte ich die Kamera im Frühjahr 2015 ausprobieren und habe sie mir auch umgehend zugelegt. Sie war ganz klar die digitale Schwester der Dynax 7 und als Umsteiger fand ich mich problemlos zurecht. Das lange Warten hatte sich prinzipiell gelohnt. Die Kamera hatte ein - im Vergleich zu anderen Herstellern - recht großes Display - und den Bildstabilisator im Gehäuse!!! Canon und Nikon hatten seit einiger Zeit schon Objektive mit Bildstabilisator und insgeheim beneidete ich speziell die Naturfotografen und diese Technik. Und plötzlich stand mir diese für alle Objektive zur Verfügung. Klasse!

 

Mit dem Einzug der Dynax 7d endete für mich die analoge Ära schlagartig.

Neue Marke ohne Systemwechsel

2006 reagierte Konica-Minolta auf die weiterhin bestehende wirtschaftlich schwierige Lage zunächst mit der Ankündigung einer Zusammenarbeit mit Sony. Schon bald danach überraschte die Meldung, dass Konica-Minolta sich aus dem Fotogeschäft zurückzieht und ganz auf den Bereich Kopierer und Scanner konzentriert. Die Kamerasparte wurde gänzlich an SONY abgegeben.

 

Seit Ende 2007 habe ich nun eine SONY Alpha 700 im Einsatz. Die Kamera kann ihre Minolta-Gene nicht verleugnen, zeigt aber auch schon deutliche Spuren von SONY. Wenn auch in den Lagern der Konkurrenten das Pixelrennen weiterging und auch bei SONY im Herbst 2011 als Nachfolgemodell die Alpha 77 erschien, war ich doch bislang mit der Alpha 700 so zufrieden, dass ich keinen dringenden Bedarf für eine neue Kamera hatte.

 

Dem Zeitverlauf und dem damit verbundenen technologischen Fortschritt geschuldet trat während der langen Nutzungsdauer der Kamera ein Manko dann aber doch immer deutlicher in den Vordergrund: Aktuelle Kameras wurden zunehmend lichtempfindlicher. Während ich bei der A700 üblicherweise nicht mehr als 800 ISO verwende(te), locken diese dann mit Werten von bis zu 25.600 ISO.

SONY Alpha 77 Mark II

So habe ich mir nun im Februar 2015 eine SONY Alpha 77 Mark II geholt und ich sehe (und staune über) den technologischen Fortschritt, der zwischen diesen beiden Kameras liegt. Noch (Stand Anfang April 2015) ist vieles neu, aber grundsätzlich konnte ich mit der Kamera sofort arbeiten. Die Umstellung auf einen elektronischen Sucher fiel mir leicht, da ich den Zugewinn an Möglichkeiten sehr schätze. Es ist zwar zunächst gewöhnungsbedürftig, dass der Sucher naturgemäß nur funktioiert, wenn die Kamera an ist. Aber es ist umgekehrt eine sehr feine Sache, das Live-Histogramm oder die Wasserwaage im Sucher zu sehen oder nach Belieben Gitterlinien ein- oder auszublenden. Dazu die hohe Serienbildgeschwindigkeit, die Kantenanhebung zum manuellen Fokussieren .... Mit den Möglichkeiten des neuen Autofukus muss ich mich generell noch vertraut machen. Ich bin seit Jahren daran gewöhnt, jeweils ein Autofokusfeld gezielt auszuwählen und zu aktivieren, um so den Schärfepunkt zu kontrollieren. Diese Option (bei der 77 MkII "Flexible Spot" genannt) nutze ich auch weiterhin primär, aber erst wenn ich die anderen Möglichkeiten ausgiebig getestet habe, kann ich beurteilen, ob sie mir nicht doch auch eine Hife sein können.

 

SONY hat sich zwischenzeitlich auch vom Minolta-eigenen Blitzschuh verabschiedet, doch das stellte mich nicht vor Probleme, denn mit dem passenden Adapterschuh ADP-MAA kann ich meine Blitze bzw. den Funkauslöser für die Blitze weiter verwenden.

Und künftig?

Für's erste bin ich nun mit der 77 Mk II gut aufgestellt. SONY zeigt sich im Kamerabereich sehr ambitioniert und auch  oder gerade in der Sensortechnik mischt SONY offenbar gewaltig mit. Im Bereich der spiegellosen Systemkameras mit E-Bajonett setzt SONY deutliche Zeichen und die großen Konkurrenten Canon und Nikon hinken derzeit hinterher. Die Alpha 7 zeigt in ihren verschiedenen Ausgestaltungen, dass SONY die Technik beherrscht und offenbar auch gewillt ist diese sehr ambitioniert voranzutreiben. Das ist einerseits sehr begrüßenswert, andererseits aber fürchte ich ein wenig um's althergebrachte A-Bajonett. Ich gehe stark davon aus, dass SONY sich in naher Zukunft von der Spiegel(reflex)technik ganz verabschieden und ausschließlich spiegellose Kameras produzieren wird. Davor ist mir nicht Bange, denn mit der neuen Sensor-/Autofokustechnik ist der Spiegel wohl nicht mehr notwendig. Das spart Kosten, macht ein hochsensibles mechanisches Bauteil obsolet, reduziert so auch Fehlerquellen und die interne Kamersteuerung wird vereinfacht ...

 

Aber es bringt natürlich die Frage auf, ob auch weiterhin klobige Kästen mit dem großen A-Bajonett gebaut werden müssen. Schon jezt ist es recht ruhig um Objektive mit A-Bajonett. Dritthersteller wie Tamron oder Sigma stellen neue Objektive derzeit garnicht oder nur mit Verzögerung für das A-Bajonett zur Verfügung. Allerdings hat Sigma vor kurzem betont, Objektive mit E-Bajonett herstellen zu wollen.

 

Technisch gesehen mag also das A-Bajonett verzichtbar sein. Es bleibt aber die Frage nach dem Investitionsschutz. Es wäre mir - wie vielen anderen Minolta-/SONY-Fotografen auch - wichtig, dass ich meine vorhandenen Objektive auch in Zukunft an schlankeren Alphas mit E-Bajonett z. B. mit einem Adapter weiter verwenden kann. Dann sehe ich eine gute Zukunft für SONY.

Mein Fazit

In den vieleln  Jahren, die ich nun Minolta-/SONY-Kameras benutze habe ich mir schon oft die Frage gestellt, wie es wäre, wenn ich mich damals z. B. für Canon entschieden hätte. Oder ob ich - das notwendige Kleingeld vorausgesetzt - auch bereit wäre einen kopmpletten Systemwechsel zu wagen, wie ich das bei einigen Fotokollegen erlebt habe. Ja, die eine oder andere Kamera von Canon oder Nikon ist schicker, besser, schneller ... Das Objektivsortiment der anderen ist vielfältiger. Die Unterstützung für Canon oder Nikon durch Drittanbieter (nicht nur bei den Objektiven) ist viel besser. Ja, ich habe sehr oft in die anderen Lager geschielt. Aber sehr oft erwiesen sich vermeintliche Vorteile als haltlos. Was nutzte mir z. B. das 300mm-800mm Zoomobjektiv von Sigma (das nur für Canon oder Nikon zur Verfügung steht), wenn ich mir ein solches Objektiv wegen seines hohen Kaufpreises nie leisten kann? Auch wäre alleine schon der notwendige Systemwechsel aus finanziellen Gründen schon nicht möglich.

 

Meine Minolta- und Sony-Kameras haben mir immer gute Dienste geleistet und mich nie im Stich gelassen. Ich konnte meine fotografischen Bedürfnisse bisher damit gut befriedigen und/oder habe gelernt mit der einen oder anderen (fotografischen) Einschränkung gut zu leben.

 

Alles in allem habe ich bis heute nicht bereut, mich seinerzeit für Minolta entschieden zu haben.

Stand: Juli 2015